Ergebnis
27 : 26
SV Blau-Rot Coswig : HG 85 Köthen II
Aufstellung
Johann Schütte, Julian Stoye; Hasan Cullu 5, Jonah Paul Zander 4, Maurice Birkner, Ludwig Schütte 11/4, Fabian Götze 2, Lukas Faldix, Niklas Keller, Niklas Ponndorf, Henning Rosenkranz 4, Benet Fenyö, Lucas Westphal, Julian Schilling, Tim Leschinsky, Joey Schimmelpfennig
Es war angerichtet für ein echtes Finale. Tabellenerster gegen Tabellenzweiter. Meisterschaftsspiel. Aufstiegsspiel. Eine volle Halle, lautstarke Fans auf beiden Seiten und zwei Mannschaften, die wussten, worum es geht. Am Ende fehlte der HG 85 Köthen II genau ein einziges Tor, um sich die Meisterschaft und den damit verbundenen Aufstieg in die Sachsen-Anhalt-Liga zu sichern. Nach einer dramatischen Schlussphase musste sich die HG 85 Köthen beim SV Blau-Rot Coswig denkbar knapp mit 26:27 (15:12) geschlagen geben.
Dabei begann die Partie nahezu perfekt für die Gäste aus Köthen. Von der ersten Minute an war zu spüren, dass die Mannschaft für dieses Endspiel bereit war. Die Abwehr arbeitete aggressiv, im Angriff wurden die Chancen konsequent genutzt und insbesondere Ludwig Schütte übernahm früh Verantwortung. Immer wieder fand Köthen Lösungen gegen die Coswiger Defensive und setzte sich Mitte der ersten Halbzeit Schritt für Schritt ab. Über 9:6, 12:8 und 14:10 kontrollierte die HG 85 das Spielgeschehen weitestgehend souverän. Besonders bemerkenswert: Auch Unterzahlsituationen wurden zunächst stark verteidigt und offensiv clever ausgespielt. Mit einer verdienten 15:12-Führung ging es in die Halbzeitpause.
Auch der Start in die zweite Hälfte verlief zunächst nach Plan. Direkt nach Wiederanpfiff erhöhte Jonah Paul Zander auf 16:12, ehe Köthen wenig später sogar auf 17:13 stellte. Die mitgereisten Fans spürten, der Aufstieg war greifbar nah. Doch genau in dieser Phase begann das Spiel langsam zu kippen. Mit zunehmender Spielzeit schlichen sich immer mehr kleine Fehler ins Köthener Spiel ein. Technische Fehler, ungenaue Abschlüsse und verlorene Zweikämpfe brachten Coswig zurück in die Partie. Vor allem in Unterzahlphasen gelang es der HG 85 nicht mehr, die Kontrolle zu behalten. Coswig nutzte diese Situationen konsequent aus und kämpfte sich Tor um Tor zurück. Beim 18:18 (41.) war das Spiel endgültig wieder völlig offen. Die Fans beider Teams feierten jeden Treffer frenetisch. Dennoch stemmte sich die HG 85 weiterhin mit aller Kraft gegen das Momentum der Gastgeber. Immer wieder brachte Ludwig Schütte, der am Ende starke 11 Treffer erzielte, seine Mannschaft zurück ins Spiel. Die Schlussphase entwickelte sich schließlich zu einem echten Handball-Krimi. Nach dem 24:24 durch Ludwig Schütte und dem 25:25 durch Henning Rosenkranz war die Meisterschaft in den letzten zwei Minuten völlig offen. Als Ludwig Schütte in der 60. Minute per Siebenmeter zum 26:26 ausglich, lebte die Hoffnung noch einmal auf. Doch dann folgte die letzte bittere Szene des Spiels: Nur wenige Sekunden vor Schluss traf Coswig zum 27:26-Endstand. Die letzte Auszeit der HG 85 kam zu spät, um noch einmal entscheidend gefährlich zu werden. Sekunden später war der Traum von der Meisterschaft geplatzt und das um genau ein Tor.
So groß die Enttäuschung nach Abpfiff auch war, gehen die Glückwünsche an den SV Blau-Rot Coswig, der sich in einer spannenden Saison am Ende verdient die Meisterschaft sichern konnte.
Für die HG 85 Köthen II ist die Saison allerdings möglicherweise noch nicht beendet. Aufgrund einer bestimmten Konstellation besteht weiterhin die Chance, das Aufstiegsrecht über eine Relegation wahrnehmen zu können. Ob diese tatsächlich zustande kommt, entscheidet sich am kommenden Samstagabend. Sollte es zur Relegation kommen, würde das Hinspiel bereits am kommenden Sonntag in der Heinz-Fricke-Sporthalle stattfinden.
Bis dahin heißt es Kräfte sammeln, Enttäuschung verarbeiten und bereit sein, denn vielleicht lebt der Traum vom Aufstieg doch noch weiter.
J. Schimmelpfennig